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Gefälligkeitsstudie für Fahrzeugindustrie zielt auf Lohndumping

  • Donnerstag, 5. September 2013 @ 11:45
News Als höchst durchsichtiges Manöver zur Senkung der Lohnkosten bezeichnet Josef Stingl, Bundesvorsitzender der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB), die auffallend zeitgerecht vor Beginn der Herbstlohnrunde präsentierte Studie von Fraunhofer Austria und TU-Wien, wonach der Fahrzeugindustrie der Absturz droht. Die Fahrzeugindustrie mit 30.000 direkt und rund 160.000 indirekt Beschäftigte ist zu 85 Prozent vom Auslandskapital beherrscht. Es ist auffällig, dass sogar Wolfgang Komatz (Autocluster Oberösterreich) meint „die Ergebnisse der Studie spiegeln sich in keiner Weise in dem nieder, was wir in der Branche erleben" und trotz starker internationaler Konkurrenz die österreichischen Zulieferer durch die hohe Qualität ihrer Produkte als Partner der großen Autobauer wie Audi, BMW oder VW sieht, wenn diese nach Asien oder Nordamerika gingen.

Es spricht für das Profitdenken der Automotivindustrie wenn deren Sprecher Dietmar Schäfer (WKO) von „teuren Kollektivvertragsverhandlungen“ spricht und eine noch höhere Arbeitszeitflexibilität fordert. Ebenso wenn der Studienautor Daniel Palm (Fraunhofer) in den Chor der Schreier für eine Senkung der Lohnnebenkosten einfällt, im Klartext den Abbau von Sozialleistungen fordert.

Auch dem Management der Fahrzeugindustrie sollte bewusst sein, dass die Autoindustrie höchst konjunkturanfällig ist und immer deutlicher an ihre Grenzen stößt. Statt sich vordergründig auf Lohndumping und Sozialabbau als Methoden zur Kostensenkung zu konzentrieren sollten Management und Expert_innen ihr Hirnschmalz dafür bemühen alternative Produktionen, etwa für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs zu entwickeln.

Laut Statistik der oö Arbeiterkammer ist von 1994 bis 2012 die Produktivität in Österreich um 23,9 Prozent gestiegen, die Bruttolöhne um 5,2 Prozent, während die Nettolöhne um 0,5 Prozent gesunken sind. Der überwiegende Teil des den Beschäftigten bei den KV-Verhandlungen vorenthaltenen Produktivitätszuwachses wurde aber nicht in die Unternehmen und für neue Arbeitsplätze investiert, sondern auf dem Finanzmarkt verjuxt.

In Hinblick auf die anstehenden Lohnverhandlungen für die Metallbranche tritt der GLB für gemeinsame Verhandlungen für die sechs Fachverbände der Maschinen- und Metallindustrie ein und fordert in Hinblick auf die mageren Abschlüsse der letzten Jahre eine Abgeltung sowohl der Inflation als auch des Produktivitätszuwachses.

Die von der Kapitalseite geforderte weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit – Stichwort 12-Stunden-Tag bei Entfall von Überstundenzuschlägen – lehnt der GLB ab, fordert die Gewerkschaftsführung hingegen auf, das Thema Arbeitszeitverkürzung auf die Tagesordnung der KV-Runde zu setzen. Einen Sozialabbau durch die Hintertür durch Senkung der Lohnnebenkosten lehnt der GLB entschieden ab und verweist auf die von ihm gestartete Online-Petition http://www.glb.at/staticpages/index.php/petition.

Wie die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt hat reagiert die Kapitalseite höchst sensibel auf Kampfmaßnahmen. Daher sollte die Gewerkschaft gerade in Hinblick auf die als Leitlinie für andere Branchen geltende Metallbranche die Beschäftigten intensiv durch Betriebsversammlungen und Urabstimmungen über Kollektivverträgen sowie für notwendige Kampfmaßnahmen mobilisieren, so Stingl abschließend.