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Für was steht noch der 1. Mai?

  • Dienstag, 1. Mai 2018 @ 08:00
Meinung
Von Gilbert Karasek, ehemaliger Personalvertreter bei Wienstrom

Seitdem das Bürgertum mit seinem hochgradigen System der Arbeitsteilung den Kapitalismus zum Leben erweckt hat, hat sich dieses inhumane Wirtschaftssystem stets destruktiv gegen die Menschheit gerichtet. So haben Ökonomen herausgefunden, dass sich das weltweit operierende Finanzkapital im Besitz von ca. 500 Tausend Menschen befindet. Zum Vergleich: die Weltbevölkerung umfasst rund 7,5 Milliarden Menschen. Das heißt, dass bloß 0,007 Prozent der Weltbevölkerung im Besitz des industriellen Reichtums sind. Wie kommt es zu dieser Ungleichheit? Dazu schauen wir uns das Geldsystem näher an.

In der Beziehung zwischen Produktivität und Kapital enteignet der Arbeitgeber die Arbeitnehmer vom Produkt ihrer Arbeit. Das Resultat von diesem Prozess der Enteignung geht somit als Profit in das Privateigentum des Arbeitgebers über. Hier zeigt sich, dass im Geldsystem als Folge des bürgerlichen Rechts die Arbeitnehmer von dem, was sie an Reichtum produzieren, enteignet werden. An sich ist das Privateigentum schon eine Form der Entmündigung. Auf die globale Ebene bezogen kann man sehen, dass das industrielle Privateigentum nur aufgrund der Enteignung der menschlichen Produktivkräfte existiert.

Kommen wir zu den unterentwickelten Industrieländern. Diese Völker werden von den Ernährungs- und Beschäftigungskrisen der dort herrschenden kapitalistischen Produktionsweise geplagt. Das Bürgertum blendet die Ursachen aus und ersetzt sie durch seine Ideologien:
- Erstens, um von den Krisen des Kapitals abzulenken,
- zweitens, um solidarische Gemeinschaften im Keim zu ersticken, indem sie durch ihre Ideologien die Menschen gegeneinander verhetzen und
- drittens, um staatliche Kontrollen, Repression und Überwachung zu perfektionieren.

Die Verhetzung und Spaltung vollzieht sich ähnlich wie es der deutsche Faschismus zwischen „Ariern“ und „Nichtariern“, und zwischen Christen und Juden vollzogen hat. Nur mit dem Unterschied, dass heute an Stelle der „Nichtariern“ die „Migranten“, und an Stelle der Juden der Islam steht.

Wie wir sehen ist die bürgerliche Ideologie inhuman. Sie produziert das Elend dieser Welt; sie steht im Widerspruch zur Solidarität, weil ihre herrschende Ideologie die Menschheit in arm und reich spaltet. Um das Geldsystem mit seinem Elend und seinen Widersprüchen zu verewigen verpflanzt das staatliche Bildungssystem den Stacheldraht des entsolidarisierenden Profitsystems in die Köpfe der Massen.

Die herrschenden Gedanken ergeben sich nicht nur aus der staatlichen Bildungspolitik, sie beruhen ebenso auf der Intransparenz, die durch die Teilung der Arbeit gegeben ist, und natürlich auch auf der Mystifizierung und der Verschleierung der realen Verhältnisse.

Die von Kapital bedrohten Lebensräume sind entscheidend für das Überleben der Menschen. Will die Menschheit sich von der Herrschaft des Kapitals emanzipieren (schon alleine um die Lebensräume vor ihrer Zerstörung zu retten), dann bleibt ihr keine andere Wahl, als dass sie das über ihr herrschende Geldsystem aufhebt.

Dazu schreibt Karl Marx: „Übrigens ist es ganz einerlei, was das Bewusstsein alleine anfängt, wir erhalten aus diesem ganzen Dreck nur das eine Resultat, dass diese drei Momente, 1 die Produktionskraft, 2 der gesellschaftliche Zustand, und 3 das Bewusstsein, in Widerspruch untereinander geraten können und müssen, weil mit der Teilung der Arbeit die Möglichkeit, ja die Wirklichkeit gegeben ist, dass die geistige und materielle Tätigkeit, dass der Genuss und die Arbeit, dass Produktion und Konsumtion, verschiedenen Individuen zufallen, und die Möglichkeit, dass sie nicht in Widerspruch geraten, nur darin liegt, dass die Teilung der Arbeit wieder aufgehoben wird.“