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Gesteigerte Profite durch wachsenden Leistungsdruck

  • Mittwoch, 12. März 2008 @ 11:42
News „Während sich die AktionärInnen der teilprivatisierten Post AG trotz Verlust des Paketgeschäftes mit Otto/Universal und Quelle/Neckermann an den Konkurrenten Hermes über gesteigerte Dividenden freuen dürfen, stöhnen die Beschäftigten unter einem immer mehr gesteigerten Arbeitsdruck“, stellt Karin Antlanger, Bundesvorsitzende der Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB) kurz gefasst als Resümee der Bilanz 2007 der Post AG fest. Das 2006 zu 49 Prozent über die Börse privatisierte Unternehmen weist ein gegenüber 2006 um 32 Prozent von 123 auf 163 Millionen Euro gesteigertes Betriebsergebnis auf, das Ergebnis je Aktie wurde von 1,43 auf 1,75 Euro , die Dividende von einem auf 1,40 Euro erhöht und mit einer Sonderdividende von einem Euro zusätzlich versüßt. Der Umsatz pro Beschäftigten wurde um 27 Prozent von 71.000 auf 89.900 Euro gesteigert.

Der Zuwachs beim Umsatz von 1.737 auf 2.316 Mio. Euro und bei der Belegschaft von 24.456 auf 25.764 ist vor allem Zukäufen von zehn Unternehmen um 72 Mio. Euro im Ausland (trans-o-flex in Deutschland, Unternehmen in Ungarn und Kroatien) geschuldet, während in Österreich seit Jahren Postämter geschlossen, Briefkästen abmontiert und Personal abgebaut wird. Bereits 27 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erwirtschaftet. In den nächsten eineinhalb Jahren sind weitere Zuläufe um 150 Mio. Euro geplant.

Hatte Postgewerkschaftschef Gerhard Fritz noch im Sommer ultimativ gegen die Einsetzung eines fünften Vorstandes – was sogar laut Aufsichtsratspräsident Peter Michaelis „ein schlechtes Bild“ macht – Dampf abgelassen, so ist von Kampfmaßnahmen jetzt nichts mehr zu hören. Die Rückstellung von 60 Mio. Euro für „unterbeschäftigte MitarbeiterInnen“ weist auf verstärkte Bemühungen für weiteren Personalabbau hin. Allein vom Verlust des Quelle-Paketgeschäfts sind 700 Beschäftigte betroffen.

„Hohe Gewinne und Dividenden für die AktionärInnen resultieren letztlich immer aus Personalabbau und wachsendem Leistungsdruck“, so Antlanger. Der Hintergrund für diese Entwicklung bei der Post ist die Liberalisierung des Postmarktes, welche von Regierung und Parlament auf EU-Ebene mitbeschlossen wurde. Entsprechend dieser Logik wurden allein von 2000 bis 2006 rund 6.000 Post-Arbeitsplätze vernichtet und rund tausend Postfilialen zugesperrt.

Die heutige Misere der Post begann schon mit der Ausgliederung aus dem Budget im Jahre 1996 und führte über die Zerteilung der ehemals einheitlichen Post und damit den Verlust hochprofitabler Unternehmen wie der Telekom und der PSK in gerade Linie zum Börsegang und damit der Teilprivatisierung im Jahre 2006.

Nicht so sehr das Versagen des überbezahlten Managements, wie Postgewerkschaftschef Gerhard Fritz meint, sondern die Brutalität des „freien Marktes“ in den die Post „entlassen“ wurde, diktiert heute die Bedingungen für die Belegschaft. Im Zuge der Liberalisierung wurde der Druck auf die PostlerInnen bereits in den letzten Jahren enorm verschärft, mit dem Kauf der Feibra ein Lohndruck-Unternehmen im eigenen Konzern geschaffen.

Die Freigabe des Paketmarktes hat zur Etablierung von Konkurrenzunternehmen geführt, die mit Billigarbeitskräften zu einer systematischen Senkung von Löhnen und Sozialleistungen und damit zu einer enormen Prekarisierung führen. Aus der Sicht der Gewerkschaft müsste dem durch Einbeziehung der Beschäftigten solcher privater Postdienste in gewerkschaftliche Kämpfe zur Erhaltung sozialer Standards und von Arbeitsplätzen entgegengewirkt werden.

Der GLB sieht sich in seiner Ablehnung des Börseganges und der Privatisierung von 49 Prozent der Post AG bestätigt. Während der Vorstand die „Kriegskasse“ für Auslandsgeschäfte in Osteuropa füllt, wird in Österreich weiter systematisch abgebaut. In seiner 2005 an den Nationalrat gerichteten Petition „Für die Erhaltung der Post im öffentlichen Eigentum“ forderte der GLB: „Die Post ist eine elementare Einrichtung einer funktionierenden Infrastruktur und darf daher nicht privatisiert werden, egal ob durch einen Verkauf oder einen Börsengang. Die Post muss im öffentlichen Eigentum erhalten bleiben. Ein verfassungsmäßiger Schutz des öffentlichen Eigentums ist notwendig“.

„Die vormalige schwarzorange Regierung hat – mit Zustimmung der SPÖ und den Spitzen der Postgewerkschaft – die Post AG als Volksvermögen zugunsten privater Spekulanten verschleudert, die Folgen müssen wir PostlerInnen ausbaden“, so Antlanger abschließend.