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Österreich ist Europameister bei längster Wochenarbeitszeit

  • Montag, 12. Februar 2007 @ 12:59
News Einmal mehr bestätigt der jüngste Arbeitsklima-Index der oberösterreichischen Abeiterkammer die Dringlichkeit einer Arbeitszeitverkürzung, meint die Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock im ÖGB (GLB). Laut diesem Bericht arbeiten ein Drittel der Beschäftigten regelmäßig länger als 40 Stunden, 17 Prozent sogar mehr als 45 Stunden wöchentlich. Im Ergebnis ist Österreich mit 44,1 Stunden realer Wochenarbeitszeit neben Griechenland (44,3) Europameister. Regelmäßige Überstunden sind die Kehrseite wachsender Prekarisierung. Zwar arbeiten sowohl Voll- als auch Teilzeitbeschäftigte im Schnitt um zwei Stunden mehr. Aber die Teilzeitquote liegt in Österreich bei Männern mit sechs Prozent unter, bei Frauen mit 39 Prozent jedoch über dem EU-Durchschnitt. Im Tourismus sind fünf, im Bau vier, im Handel zwei Stunden Mehrarbeit die Regel, auch damit geraten Frauen am meisten unter die Räder, da gerade bei dem im Tourismus und Handel hohen Anteil von Teilzeitbeschäftigung bislang keine Überstundenzuschläge bezahlt werden.

Im krassen Gegensatz zu der vom „Arbeitsklima-Index“ konstatierten Unzufriedenheit durch meist erzwungene Mehrarbeit steht allerdings, dass von AK und ÖGB dies nicht mit einer klaren Ansage für eine Arbeitszeitverkürzung beantworten: „Es ist paradox, wenn der ÖGB zwar seit zwanzig Jahren regelmäßig die 35-Stundenwoche fordert, sich realpolitisch aber auf die berüchtigte Flexibilisierungsstrategie der Unternehmerseite eingelassen hat und wir als Ergebnis eine der längsten realen Wochenarbeitszeit Europas haben“, meint GLB-Bundesvorsitzende Karin Antlanger.

Als falsche Antwort bezeichnet Antlanger in diesem Zusammenhang auch die vorgesehene Verlängerung der Tagesarbeitszeit auf zehn Stunden bzw. im Schichtbetrieb auf zwölf Stunden sowie der Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden ohne Zuschläge und der Ladenöffnungszeiten von 66 auf 72 Stunden pro Woche, die eins zu eins aus einem Sozialpartnerpapier unter Mitwirkung des ÖGB in das Koalitionsabkommen übernommen wurden.

Laut einer Arbeiterkammer-Statistik (Stand 3. Quartal 2005) leisten 748.500 ÖsterreicherInnen durchschnittlich 9,4 Überstunden pro Woche. Die Summe von 7,04 Millionen Überstunden wöchentlich entspricht umgerechnet auf eine 40-Stundenwoche einem Arbeitskräftepotential von 175.900 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Daraus wird auch deutlich, dass Überstundenleistung eine Männer-Domäne und vor allem für Facharbeiter und höhere Angestellte lukrativ ist: 508.600 Männer, aber nur 239.900 Frauen leisten regelmäßig Überstunden.

Für den GLB ist daher die Reduzierung der Überstunden im Zusammenhang mit einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung eine Schlüsselfrage. Dadurch kann Druck auf die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze entstehen um der wachsenden Arbeitslosigkeit gegenzusteuern. Hingegen ist die Behauptung durch eine weitere Flexibilisierung und Abschaffung der Überstundenzuschläge würden Arbeitsplätze geschaffen nur Lug und Trug und hält keiner seriösen Prüfung stand. Der ÖGB und vor allem die ArbeiterInnen und Angestellten sind schlecht beraten, wenn sie weiterhin der Erpressung der Unternehmer mit verstärkter Flexibilisierung nachgeben.