IMAS-Umfrage bestätigt: Sparen ist volkswirtschaftlich kontraproduktiv
- Donnerstag, 7. Juli 2005 @ 12:46

Der Volkswirtschafter Heiner Flassbeck (UNCTAD) stellte zu dieser Entwicklung treffend fest: „Wenn alle sparen, gibt es eine Katastrophe“ und verwies darauf, dass die neoliberale Wirtschaftslehre schon in den 20er Jahren in die Weltwirtschaftskrise geführt hatte. Sinkende Inlandsnachfrage, stagnierender privater Verbrauch, Steuersenkungen und sinkende Löhne führen zu wachsender Arbeitslosigkeit und verlangen als volkswirtschaftliche Antwort kräftige staatliche Impulse um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Die rigiden Auflagen des EU-Stabilitätspaktes für eine nachhaltige Budgetsanierung verhindern dies jedoch.
Auch der Wirtschaftswissenschafter Stephan Schulmeister (WIFO) sieht die Wirtschaft durch die Sparpolitik von EU und Regierungen und den Glauben an den Neoliberalismus auf dem Weg in eine tiefe Krise. Er verweist darauf, dass in den USA zwar rhetorisch weiterhin das neoliberale Credo gepriesen, wirtschaftspolitisch aber durch massive öffentliche Investitionen, Ausweitung von Sozialleistungen und Anhebung der Unterstützungszahlungen für Arbeitslose konträr gehandelt wurde. In Europa, insbesondere in Deutschland, wurde hingegen in den letzten 15 Jahren der Sozialstaat massiv geschwächt. Hingegen weisen die skandinavischen Länder bessere Wirtschaftsdaten auf, weil dort das Vertrauen in den Sozialstaat nicht in solcher Weise erschüttert wurde.
Völlig kontraproduktiv sind Maßnahmen wie die steuerschonenden Privatstiftungen, die Abschaffung der Vermögenssteuer oder die Senkung der Körperschaftssteuer. Damit werden nicht mehr Arbeitsplätze geschaffen, vielmehr wird die öffentliche Hand durch verminderte Steuereinnahmen weiter geschwächt und ist damit noch weniger in der Lage sind die notwendigen Impulse für die Wirtschaft zu geben. Schulmeister erachtet eine einkommens- und steuermäßige Umverteilung zu jenen Bevölkerungsgruppen, die ihr Geld vorrangig für den Konsum oder Investitionen ausgeben für notwendig. Praktisch passiert aber seit Jahren das Gegenteil, indem die Reichen noch reicher werden, ihr Geld aber nicht für den Konsum wirksam wird, sondern als Geldanlage den vorhandenen Reichtum nur noch vergrößert.
Seit Jahren sinken die Realeinkommen und ist die Lohnquote als Indikator für den Anteil der Lohnabhängigen am gesellschaftlichen Reichtum rückläufig. Daher ist eine offensive Lohnpolitik mit spürbaren Reallohnerhöhungen, ein Ausbau des Sozialstaates sowie eine wesentlich höhere Besteuerung von Kapital und Vermögen notwendig. Damit können die Einkommen breiter Bevölkerungsschichten erhöht und für die Binnennachfrage wirksam gemacht werden. Das bedingt nach Meinung des GLB natürlich auch eine Absage an den verlogenen neoliberalen Spar-Wahn.